Kalenderblatt 2010

 

Verein für Ortsgeschichte Winterhausen

 

Kalenderblatt Januar

Vor 375 Jahren: Winterhäuser Hochzeitstourismus

 

Sämtliche Winterhäuser Trauungen des Jahres 1635 finden im evangelischen Lindelbach statt. Nachdem der hiesige Pfarrer (wie weitere 261 Winterhäuser) Ende 1634 an der Pest verstorben war, hatte das Würzburger Domkapitel am 24. Dezember 1634 durch bewaffnete Eibelstädter Winterhausen besetzen lassen, wichtige Urkunden sowie die Kirchenschlüssel, Chorröcke und Kelche beschlagnahmt und einen katholischen Meßpriester eingesetzt. Erst nachdem sich das Kriegsglück im Dreißigjährigen Krieg wieder einmal zugunsten der evangelischen Partei wendete, konnte 1636 in Winterhausen ein neuer evangelischer Pfarrer eingesetzt werden.

 

 

 

Kalenderblatt Februar

Vor 575 Jahren: Winterhausen wird verkauft

 

Am 10. Februar 1435 veräußern Graf Wilhelm zu Castell und seine Frau Anna geb. Helfenstein ihren Anteil an der Grafschaft Speckfeld an Schenk Konrad von Limpurg. Dazu gehören Winterhausen, Sommerhausen, Lindelbach und die Mühle zu Winterhausen. Der Graf zu Castell gebietet den Einwohnern dieser Orte, dem Schenken Konrad als neuen Herrn zu huldigen. Die Grafschaft Speckfeld war beim Tod des kinderlosen Johannes von Hohenlohe-Speckfeld im Jahre 1412 durch Erbgang unter den Castellern und Limpurgern aufgeteilt worden und ist nun wieder als Grafschaft Limpurg-Speckfeld vereint.

 

 

Kalenderblatt März

Vor 300 Jahren: Streit um den Gemeindepfarrer

 

Im Jahre 1710 gibt es Uneinigkeit zwischen der Gemeinde Winterhausen und der Limpurger Herrschaft über den Nachfolger des verstorbenen Winterhäuser Pfarrers Johann Georg Otho. Die Grafen sprechen sich für den Kaplan Georg Salomon Ziegler aus, aber die Gemeinde setzt sich mit ihrem Kandidaten Johann Gottfried Voigt durch. Erst ein Jahr vorher hatte Graf Vollrath von Limpurg der Gemeinde Winterhausen das Recht bestätigt, Pfarrer und Schullehrer selbst zu benennen. Die Herrschaft mußte aber die Wahl bestätigen. Als ungeschriebenes Gesetz wurde das schon seit dem Einzug der Reformation in Winterhausen so gehandhabt.

 

 

Kalenderblatt April

Vor 500 Jahren: Winterhausen als Schuldenpfand

 

Am 25. April 1510 kauft Schenk Friedrich von Limpurg für 1000 Gulden eine Schuldverschreibung zurück, für die der jährliche Zins aus den Dörfern Winterhausen, Sommerhausen und Lindelbach in Höhe von 50 Gulden gezahlt werden mußte. Natürlich hat der Graf die 1000 Gulden nicht wirklich verfügbar und leiht sie sich erneut, diesmal vom Kloster St. Clara in Bamberg. Der jährliche Zins von 50 Gulden aus den genannten Dörfern muß nun an das Bamberger Kloster gezahlt werden. - In dieser Zeit ist es nicht unüblich, daß Grundstücke oder ganze Orte als Unterpfand für die Schulden des Grundherrn dienen, d. h., die Einkünfte wie Zins, Gült und Zehnt fließen ganz oder teilweise dem Gläubiger zu.

 

 

Kalenderblatt Mai

Vor 200 Jahren: Feindliche Übernahme

 

Am 26. Mai 1810 werden Winterhausen, Sommerhausen und Lindelbach per Dekret Bestandteil des neugegründeten Großherzogtums Würzburg. Die Pfarrei kommt unter die Inspektion von Albertshausen. Die Aktion ist Teil der napoleonischen Neuordnungspolitik: Bereits 1803 wurden die Gemeinden, die zur bis dahin selbständigen Grafschaft Limpurg-Speckfeld gehörten, gegen den energischen Widerstand des Grafen Friedrich Reinhard Burghard Adolf von Rechteren (Sommerhäuser Krieg) dem Königreich Bayern einverleibt. Nach der Befreiung von der Napoleonischen Herrschaft kommen die Orte dann 1814 erneut nach Bayern. Die Grafschaft hört endgültig auf zu existieren, und Winterhausen gehört nun zum Distrikt Ochsenfurt.

 

 

Kalenderblatt Juni

Vor 750 Jahren: Holz gegen Treue

 

Im Juni 1260 überläßt Bischof Iring von Würzburg allen seinen Leuten in Ahusen, also dem heutigen Winterhausen und Sommerhausen, in Anbetracht der treuen Dienste, die sie ihm vielfach erwiesen haben und in Zukunft noch erweisen werden, ein Drittel seines Waldes, der über Ochsenfurt zwischen der Burg Erlach und den Dörfern Frickenhausen und Ahusen gelegen ist, zur ständigen Nutzung. Den restlichen Anteil des Waldes erhalten in gleicher Weise die Bürger von Ochsenfurt. In dieser Zeit war es üblich, sich die Gefolgschaftstreue von Untergebenen durch Übertragung von Lehen oder Nutzungsrechten zu sichern. Ahusen gehörte damals zur Grundherrschaft des Würzburger Bischofs.

 

 

Kalenderblatt Juli

Vor 400 Jahren: Betrügerische Gastwirte

 

Am 1. Juli 1610 werden in einem Dekret der Gräflich Limpurgischen Herrschaft die Gastwirte in Winterhausen und Sommerhausen angehalten, die Wirtshausrechnungen der herrschaftlichen Beamten und Gäste von diesen selbst unterschreiben zu lassen. Da Sommerhausen der Verwaltungssitz des gleichnamigen Amtes ist, logieren die Beamten und

Gäste des Amtes in den Wirtshäusern der beiden Mainorte, wobei nach Winterhausen mit der Fähre übergesetzt werden muß. Offenbar hatten die Gastwirte der gräflichen Verwaltungen überhöhte Spesenrechnungen zur Bezahlung eingereicht.

 

 

Kalenderblatt August

Vor 400 Jahren: Hufschmied gegen Bürgermeister

 

Im August 1610 verklagt der Hufschmied Jörg Neuber vor dem Winterhäuser Rüggericht den Bäcker und Bürgermeister Hans Schober auf Zahlung von 190 Gulden. Das Geld habe er für Schobers Sohn in Wien aufgewendet, als dieser dort todkrank lag und schließlich bestattet

werden mußte. Schon vor des jungen Schobers Tod hatte Neuber von dessen Vater die Erstattung der Krankheitskosten verlangt. Schober verweigerte jede Zahlung, weil der Sohn arbeitsscheu sei und schon mehrmals Krankheit vorgetäuscht habe, um von ihm Geld zu bekommen. Er sei "ein Schelm und Dieb, er wolt kein grössere Freudt seh, denn wenn sein Sohn am Galgen hienge". Schließlich muß Schober 168 Gulden an Neuber zahlen.

 

 

Kalenderblatt September

Vor 425 Jahren: Winterhäuser Pfarrer in Würzburg gefangen

 

Am 6. September 1585 wird der Winterhäuser Pfarrer Vitus Treu in Würzburg gefangengenommen, weil er der kranken evangelischen Frau des fürstbischöflichen Rates Konrad Dinner in Würzburg das Abendmahl gespendet hat. Da das außerhalb seiner Pfarrei und auf fremdem Herrschaftsgebiet geschah, verletzte er damit die damals gültigen Gesetze. Nach langem Verhör, einer Sitzung des geistlichen Rates, einem Bericht an den Bischof Julius Echter von Mespelbrunn und dem Schwur einer Urfehde wird Vitus Treu nach einer Woche wieder freigelassen. Er berichtet den Vorfall an Schenk Friedrich von Limpurg als seinem Landes- und Dienstherrn. Dieser beschwert sich dann in scharfer Form bei Bischof Julius. Insbesondere beanstandet er, daß sein Pfarrer wie ein Verbrecher auf offener Straße verhaftet wurde.

 

 

Kalenderblatt Oktober

Vor 425 Jahren: Winterhausen wird geteilt

 

Am 16. Oktober 1585 kommt es zu einem denkwürdigen Ereignis in Winterhausen. Der Bamberger Bischof Neidhard von Thüngen und der Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg ziehen als Streitschlichter im Ort eine Grenze. Der eine Teil muß fortan den Zehnt an das Domkapitel zu Würzburg abführen, der andere Teil an das Stift St. Gumbert zu Onolzbach (Ansbach). Das Ansbacher Stift hat seit 1147 nachweisbar Grundbesitz in Ahusen (Winterhausen und Sommerhausen) und sucht diesen ständig zu erweitern. Da es zu dieser Zeit keine Grundbücher, sondern nur ungefähre Beschreibungen der Besitzverhältnisse in verschiedenen Urkunden gibt, kann es schnell zu Streit kommen.

 

 

Kalenderblatt November

Vor 100 Jahren: Gemeinde contra Pfarrer

 

Am 17. November 1910 beschweren sich einige Kirchenvorstände, darunter der Bürgermeister Ludwig Adami, beim Konsistorium in Bayreuth über die sehr strenge und konservative Amtsführung des Winterhäuser Pfarrers Friedrich Bock. Zum Beispiel suche er herauszufinden, ob ein Brautpaar schon vor der Trauung miteinander intim verkehrt hat, und verweigere in diesem Falle das Glockengeläut bei der Trauung. Bei Bestattungen werde der Verstorbene heftig getadelt, wenn er nicht genug für die Kirche gespendet hat. Die Beschwerde hat keinen Erfolg, Pfarrer Bock bleibt noch sieben Jahre in Winterhausen. Es darf aber nicht verschwiegen werden, daß Pfarrer Bock auch viel Gutes bewirkt hat, zum Beispiel den Bau der evangelischen Christuskirche in Ochsenfurt.

 

 

Kalenderblatt Dezember

Vor 500 Jahren: Richtfest in Winterhausen

 

Im Jahre 1510 wird das Kantorat erbaut. Neben dem Rathaus, der Kirche und dem Pfarrhof ist es das vierte öffentliche Gebäude im Ort. Im Baubestand dürfte es nach der Mauritiuskirche, der Nikolauskirche und dem alten Schulgebäude (neben der Mauritiuskirche) das viertälteste Gebäude im Ort sein. Seinen heutigen Fachwerkaufbau erhält es allerdings erst im 17. Jahrhundert. Bis 1807 wird das Kantorat im oberen Stock von den beiden Lehrern (Knaben- und Mädchenlehrer) bewohnt und beherbergt im unteren Geschoß die beiden Klassenzimmer. Nach der Errichtung des neuen Schulgebäudes im Jahre 1890 dient das Kantorat zunächst zur Unterbringung der Armen, dann als Wohnung für Meßner, Lehrer und Umsiedler.