Kalenderblatt 2012

 

 

Verein für Ortsgeschichte

Kalenderblatt Januar

Vor 200 Jahren: Winterhäuser Mühlenkapitalismus

 

Die Gemeinde Winterhausen verkauft 1812 die Mühle für 4085 Gulden an Heinrich Michels. Damit geht die schon 1423 erwähnte Mühle endgültig in private Hände über.

 

Natürlich war die Mühle ursprünglich im herrschaftlichen Besitz.  Im Jahre 1526 verkauft sie Schenk Karl von Limpurg für 1000 Gulden unter Vorbehalt des Wiederkaufsrechtes an die beiden Gemeinden Sommerhausen und Winterhausen. Ganze 263 Jahre später erinnert sich die Herrschaft an das Wiederkaufsrecht und erwirbt die Mühle 1789 für ebendiese 1000 Gulden zurück. Sehr preiswert, wenn man die auch damals schon übliche Inflation bedenkt!

 

Nun kommt aber der eigentliche Clou: Nur fünf Jahre später, also 1794, verkauft Graf Friedrich Reinhard Burkhardt Rudolph von Rechteren-Limpurg den Gemeinden Sommerhausen und Winterhausen die Mühle wieder, aber nun für 2000 Gulden und 4 Malter Korngült (eine jährliche Abgabe).

 

Als die Gemeinde Winterhausen 1804 den hälftigen Mühlenanteil der Gemeinde Sommerhausen für 2000 Gulden abkauft, ist sie im alleinigen Besitz der Mühle.

 

 

Kalenderblatt Februar

Vor 125 Jahren: Härte und unbarmherziger Geiz

 

Friedrich Bock kommt 1887 als Pfarrer nach Winterhausen und bleibt es 30 Jahre lang. Wegen seiner sehr orthodoxen Moralauffassungen und der Gemeinde aufgezwungenen Glaubenspraxis ist er in Winterhausen nicht unumstritten. Beschwerden an das Bayreuther Konsistorium, sowie Erklärungen und Gegenerklärungen in der Presse entzweien die Gemeinde. An das Konsistorium in Bayreuth schreibt Bock über die Eigenart der Winterhäuser Gemeinde, so wie er sie sieht:

"Andererseits fällt sie durch eine konservative Schwerfälligkeit und eine gewisse Wertschätzung der Sitten auf, im Gegensatz zu den rechts des Maines wohnenden Ortsnachbarn. Ein äußeres Bild dafür ist schon die enge, gedrungene Bauart des Marktes und die Gleichartigkeit fast sämtlicher Dächer und Giebel, die von der Höhe besehen ein eintöniges, geradezu düsteres Bild im Gegensatz zu dem buntbewegten Gesamteindruck von Sommerhausen geben. Charakteristisch für Winterhausen ist der Gegensatz zwischen arm und reich. Auf viele Generationen zurück sind einige Familien Kapitalisten, zu denen ein großer Teil der Mitbürger in einem Abhängigkeitsverhältnis steht. ... Zu dieser Herrschaft und Gewalttätigkeit gesellt sich leicht Härte und unbarmherziger Geiz.  Der größte Teil der Einwohnerschaft gehört zu dem minderbemittelten Bürgerstand, der sich durch einen eisernen Fleiß emporzuarbeiten bestrebt. Dieser Fleiß nimmt leider oft den Charakter einer zusammenraffenden Habsucht an, der oft nicht zurückschreckt auf Kosten der Ehrlichkeit schneller zu Besitz zu gelangen."


Kalenderblatt März

Vor 400 Jahren: Trunkene Fäuste und böse Worte


Auszug aus dem Bußregister des Winterhäuser Rüggerichtes von 1612:

  • "Georg Brendtleins Witwe büßt 5 Pfund, weil sie Claus Schneider mehrere Male einen Schelm genannt hat. Dieser büßt 7 1/2 Pfund, weil er die Witwe einen Schandfleck, Lumpensack und Schlopsack genannt hat.
  • Valtin Wünderlich büßt 3 Pfund, weil er Caspar Götz mit trunkenen Fäusten blutiggeschlagen hat. Dieser büßt 3 Pfund, weil er Wünderlich ohne allen Grund im Wirtshaus vom Tisch hervorgefordert und mit trunkenen Fäusten geschlagen hat.
  • Veit Ziglers Häckerknecht büßt den höchsten Frevel, weil er den Häckerknecht von Gilg Hamms Witwe mehrere Male einen Schelm und Dieb genannt hat. Dieser büßt den kleinen Frevel, weil er jenen mit einem Backstein blutiggeschlagen hat.
  • Der Schlosser Valtin Rappert büßt 3 Pfund, weil er seinen Gesellen blutiggeschlagen hat."

Beleidigungen waren also mit höheren Strafen belegt als Körperverletzungen. Als schlimmste Beleidigung galt der "Schelm", er wurde mit dem höchsten Frevel geahndet, das waren 30 Pfund (etwa 6 Taler) für Männer und 5 Pfund für Frauen.

 

 

Kalenderblatt April

Vor 250 Jahren: Meefränggisch contra Sächsisch

 

Wenn man 1762 durch Winterhausen lief, konnte man fast ebenso häufig wie das Meefränggische ein gediegenes Sächsisch hören. Das war eine Auswirkung des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763). Nach dem Sieg der preußischen Armee über die sächsischen Truppen sammelten sich diese teilweise im südwestdeutschen Raum, um sich für weitere Kampfhandlungen gegen Preußen bereitzuhalten.

 

Einquartiert waren hier vor allem die Stäbe des sächsischen Infanterieregiments Prinz Karl und des sächsischen 2. Grenadierbataillons, insgesamt etwa 550 Soldaten und 100 dazugehörige Frauen und Kinder. Sie mussten untergebracht, bedient und mit Holz, Licht und z.T. auch Verpflegung versorgt werden. Die Offiziere bekamen sogar Bargeld. Außerdem mussten Reparaturen und Fuhren per Kahn und Pferd geleistet werden.

 

Die Preußen tauchten auch immer wieder einmal auf. Der sächsische Leutnant Becher floh dann jedes Mal mit dem Kahn nach Würzburg, bis die Luft wieder rein war. Leutnant Fischer hingegen bekam vor Schreck einen Blutsturz und blieb auf dem "Felde der Ehre".

 

Die Gesamtkosten betrugen für das Jahr 1762 etwa 3500 Gulden. Die Kostenrechnung wurde gegenüber der Herrschaft detailliert aufgemacht und wohl auch bezahlt. Vermutlich wurden dann die Steuern erhöht.

 

Kalenderblatt Mai

Vor 450 Jahren: Das Ende der religiösen Wirren

 

Im Jahr 1562 setzt Adelheid, die Witwe des verstorbenen Grafen Carl Schenk von Limpurg-Speckfeld, nach Klagen der Winterhäuser Gemeinde den calvinistischen Pfarrer Markus N. (Nachname nicht überliefert) ab und den lutherischen Pfarrer Markus Schlüchtinger ein. Damit enden die seit dem Beginn der Reformation in Winterhausen anhaltenden religiösen Wirren.

 

Die unruhige Zeit beginnt 1543, als Graf Carl auf Drängen der Winterhäuser Erasmus John als ersten evangelischen Pfarrer einsetzt. Ein Jahr später gelingt es dem Domkapitel, hier wieder einen katholischen Priester zu etablieren und John zu vertreiben. Erst 1549 setzt Graf Carl wieder einen evangelischen Pfarrer ein, worauf es nun für drei Jahre von jeder Konfession einen gibt. Schließlich wird der katholische Priester 1552 gefesselt in Würzburg beim Domkapitel abgeliefert.

 

Kurze Zeit später gibt es plötzlich überhaupt keinen Pfarrer mehr in Winterhausen, worauf Graf Carl die Winterhäuser beschwört, notfalls auch einen katholischen Priester zu akzeptieren. Erst 1556 kommt mit Petrus Reiche wieder ein evangelischer Pfarrer, der aber bald schon durch den oben erwähnten Calvinisten abgelöst wird.

 

 

Kalenderblatt Juni

Vor 150 Jahren: Wieder einmal ein Fährenstreit



Am 21. Juni 1862 klagt die Gemeinde Winterhausen beim Würzburger Landgericht, weil der Eibelstädter Fährmann die linksmainische, auf Winterhäuser Gemarkung liegende Anlegestelle wieder einmal eigenmächtig verlegt hat. Damit ergaben sich vom Fuchstädter Weg her neue Zugangswege zur Anlegestelle und die Winterhäuser Wiesen wurden zertrampelt. Das Problem wird schließlich so gelöst, daß der Winterhäuser Friedrich Adami gegen eine jährliche Pacht von 15 Gulden einen neuen Zugangsweg von 15 Schuh Breite zur Verfügung stellt.

Ähnliche Auseinandersetzungen wegen der Eibelstädter Fähre hatte es schon seit Urzeiten gegeben. Schließlich war diese ja eine Konkurrenz zur Winterhäuser Fähre. Die Winterhäuser hielten ihre Fährgerechtigkeiten für älter und versuchten 1458, wenn auch erfolglos, den Eibelstädtern den Fährbetrieb gerichtlich verbieten zu lassen.

Schließlich verlegten sich die Winterhäuser darauf, die Benutzung der Eibelstädter Fähre zu behindern. Aus den Jahren 1524, 1622 und 1694 sind Fälle bekannt, wo der Zugangsweg zur Fähre versperrt und die Fährbenutzer geschlagen, beraubt und gefangengesetzt wurden.

 

Kalenderblatt Juli

Vor 375 Jahren: ...belegt, beschwerth und ganz ausgeplündert

Im Jahre 1637, mitten im Dreißigjährigen Krieg, wird unsere Gegend wieder einmal heimgesucht. Diesmal sind es die Truppen der kayserlichen (katholischen) Kriegsherren Johann Wangler d. Ä. und Claus Dietrich Sperreuter. Von ihnen werden die Dörfer "dermassen belegt, beschwerth und ganz ausgeplündert, also daß niemand mehr in Dörffern bleiben, viel weniger von einem negsten zum andern sicher gehen kann", wie es in einem zeitgenössischen Bericht heißt.

 

In Winterhausen logieren drei Kompanien der Sperreuterschen Reiter, die dann auch über den Main nach Sommerhausen gehen,  "alle Häuser ausplündern und was ihnen lieb und gefellig mitnehmen, die Leut meistentheils verjagen, welche sie aber bekommen, dermaßen schlagen, daß sie nit länger zu Haus bleiben, sondern entlaufen und das Ihrige mit dem Rücken ansehen müssen".

 

Aber auch das katholische Eibelstadt bleibt nicht verschont. Von Sommerhausen und Winterhausen aus gibt es dort immer wieder einmal unerwünschten Plünderer-Besuch der hier einquartierten katholischen Truppen. Je länger der Krieg dauert, umso weniger nimmt das Militär Rücksicht auf die Menschen des Glaubens, den sie vorgeben zu verteidigen.

Kalenderblatt August

Vor 225 Jahren: Besitzergreifung

Im Winterhäuser Pfarrarchiv findet sich ein altes Dokument vom 6. August 1787 mit dem illustren Namen "Besitzergreifungspatent der Grafen von Rechteren-Limpurg-Speckfeld". Mit einem Besitzergreifungspatent teilte ein neuer Landesherr seinen Untertanen mit, wer ab jetzt das Sagen im Lande hat. (Als ob man es nicht auch schon so gewußt hätte!)Die Besitzergreifenden sind die Grafen-Brüder Friedrich Reinhard Burkhard Rudolf und Friedrich Ludwig Christian von Rechteren-Limpurg. Sie ergreifen Besitz von der ererbten Grafschaft Limpurg-Speckfeld, darunter Winterhausen. Die Untertanen beeilen sich, den neuen Herren zu huldigen. Am 16. August 1787 dankt ihnen Graf Friedrich Reinhard Burkhard Rudolf dafür und verspricht Schutz und Fürsorge.Graf Friedrich Reinhard Burkhard Rudolf hat mit seinen 36 Jahren schon einiges erlebt. Mit 19 Jahren fuhr er zur See. In einem französischen Regiment nahm er dann um 1781 an den amerikanischen Befreiungskriegen gegen England teil. Als allerdings 1803 in Sommerhausen und Winterhausen im Zuge der napoleonischen Kriege ein bayerisches Besitzergreifungspatent angeschlagen wird, versteht Graf Friedrich Reinhard Burkhard Rudolf keinen Spaß: Er läßt es herunterreißen und bewaffnet die Bürgerschaft. Ein bayerisches Militärkommando macht dann der Grafenherrlichkeit ein Ende.

Kalenderblatt September

Vor 450 Jahren: Schützenfest mit Bock und Nase


Am 16. September 1562 laden Schultheiß, Bürgermeister, Rat, Schoßmeister und Schießgesellen zu "Winterohausen"  mit gnädigster Erlaubnis der Dorfherren Georg Graf zu Castell und Friedrich Herrn zu Limpurg die umliegenden Orte zu einem "Wolgezyrten Büchsenkreutzle" (Schützenfest mit Volksbelustigung) am übernächsten Sonntag ein. So werden auch der Rat und die Schützen von Ochsenfurt eingeladen, das gedruckte Schreiben ist noch vorhanden.

Als Preis wird ein Bock mit zwei Ellen Londoner Tuch und einem halben Taler an jedem Horn ausgesetzt. Die Schießscheibe befindet sich in etwa 150 m Entfernung. Die Siebener kontrollieren vorher die Waffen und die Munition, damit "kein geferligkeit oder vortheyl" entsteht, sie sollen auch im Streitfalle entscheiden.

Zum Schluß gibt es noch eine besondere Attraktion: "so wollen wir umb sonderlicher Ergetzlichkeyt willen der größten Nasen ein halben Daler frey sprechen". Zuvor sollen "ohn alles gespöt" die Nasen besichtigt werden. Auch diesen Nasenwettbewerb sollen die Siebener entscheiden. Vielleicht wären aber die Weiber kompetenter gewesen.

Kalenderblatt Oktober

Vor 150 Jahren: Der neue Friedhof und ein fremder Pfarrer

Am 8. September 1862 wird zum Kirchweihfest der erweiterte neue Friedhof von Pfarrer Hans Nicolai Hansen eingeweiht. Das noch heute dort befindliche Kruzifix wird aufgestellt. Bereits 1811 war der Friedhof schon einmal erweitert worden. Nun erhält der Friedhof seine heutige Form.Unter den bisher 36 evangelischen Pfarrern in Winterhausen ist Pfarrer Hansen wohl der einzige, der nicht aus Süddeutschland stammt. Er wird 1814 in Bülderup (Schleswig) geboren und ist ab 1848 Domprediger in Schleswig. Infolge des 1. Deutsch-Dänischen Krieges wird er, wie viele andere, von den Dänen entlassen. Die allgemeine nationale Solidarisierung mit den Betroffenen hat wohl die Winterhäuser Gemeinde bewogen, Hansen 1851 hier als Pfarrer zu installieren. In Winterhausen kommt es jedoch bald zu Auseinandersetzungen des konservativen Pfarrers mit dem liberaler gesinnten Teil der Bevölkerung, darunter einige Kirchenvorsteher und der Bürgermeister Adami. In der Folge entsteht eine regelrechten Spaltung der Gemeinde. Im Jahre 1857 erscheint eine anonyme, gedruckte  Schmähschrift gegen Pfarrer Hansen. Nach dem Anschluß Schleswig-Holsteins an Deutschland im 2. Deutsch-Dänischen Krieg verläßt er 1868 Winterhausen, um im Norden eine Pfarrstelle anzunehmen.

Kalenderblatt November

Vor 175 Jahren: Nachtwächter und Grenzsteine

Aus dem Gemeinderatsprotokoll vom 18. November 1837:

 

"Vorsteher Miltenberger theilt mit, daß seit jüngerer Zeit die Nachtwache schlecht bestellt sey und in specie die Klagen gegen den Nachtwächter Joh. Nappert begründet seyen. Hierauf erklärt die Verwaltung die Wahrheit der Sache u. beschließt, wenn neuerdings eine Klage gegen Nappert vorfalle, derselbe seines Dienstes entsetzt und für diesen Gemeindedienst ein anderes Subjekt recipirt (angenommen) werden solle."

"Auf Veranlassung des Vieramtes (die Siebener) sollen die Pächter der neugereuteten (neugerodeten) Parzellen im Bromberge vorgeladen und dieselben bei Strafe vermahnt werden, die vom Vieramt bezeichneten Gränzen ihrer Pachtobjekte nicht willkührlich zu vergrössern und dadurch den anstossenden Gemeindewald zu verkleinern, sonach das Gemeinde-Interesse zu gefährden."  

 

 

Gemeinderat: Miltenberger, Adami, Fuchs, Löblein, Müller, Trunk, Michels

Kalenderblatt Dezember

Vor 275 Jahren: Die Nikolauskirche wird barock


Bald nach Amtsantritt in Winterhausen veranlaßt Pfarrer Johann Christoph von Berg 1737 eine umfassende Renovierung der Nikolauskirche.  Altar und Orgel werden mit Blendflügeln, Blumenkuppen und goldenem Strahlenkranz versehen, dadurch kommen Elemente des Barocks in die Kirche. Gestühl, Empore und Kanzel werden umgebaut; damit wird, bis auf die damals noch fehlende Südempore, in etwa das heutige Bild des Innenraums der Kirche hergestellt. Die Gesamtkosten der Renovierung betragen 1645 Gulden.

Bei dieser Gelegenheit werden auch die Glocken von der Mauritiuskirche in die Nikolauskirche gebracht und zum Teil umgegossen. Obwohl die Nikolauskirche schon seit 1462 Pfarrkirche ist und ihr Turm seit 1573 in seiner heutigen Form besteht, wurden die Glocken also noch bis 1737 im Turm der Mauritiuskirche geläutet.

Auf der neugegossenen zweitgrößten Glocke, der Elfuhrglocke, steht der bekannte Spruch:
"Ihr Winterhäuser ehret Gott, so höret er Euch in der Noth
Zu Winterhausen wächst der Wein, durch Gottes Gnad beim Mondenschein
So lange Sonn und Mond noch auf- und untergehn, Woll Limpurgs Grafenhaus in Flor und Wonne stehn"