Kalenderblatt 2013

 

Januar 2013
Vor 225 Jahren: Was der Winterhäuser Gemeinderat im Jahre 1788 alles zu tun hat


- Zunächst muß er die Wahl des Bürgermeisters und des Gotteshausmeisters (Verwalter des Kirchenvermögens) wiederholen, da bei dieser der Amtsschultheiß als Vertreter der Herrschaft nicht anwesend war.
- Über Schulden-, Diebstahls- und Beleidigungsklagen wird entschieden. Das herausragende Delikt in diesem Jahr ist ein Kürbisdiebstahl.
- Zur Erstattung der Arztkosten wird jemand verurteilt, der den Nachbarssohn „blau-,  braun- und blutiggeschlagen“ hat.
- Der Antrag des Cantors auf Gehaltsaufbesserung wird abgelehnt.
- Die Gemeindeäcker werden verpachtet.
- Ein Brotwäger wird ernannt und ein Flurer (Flurwächter) bestellt.
- Die Steuer für Erbschaften und Heiratsgut wird im Einzelfall festgesetzt.
- Erbschaftsregelungen werden bestätigt.
- Das Bürgerrecht wird verliehen.
- Die Getreidepreise werden festgesetzt.
- Über die eigenen Diäten wird ein Beschluß gefaßt.
Frage an die Gemeinderäte von 2013: Würden Sie gern mit Ihren Kollegen von 1788 tauschen?

 

Februar 2013
Seit 1250 Jahren: Ein Ort und viele Namen


Da früher die Orts- und Familiennamen meistens nur nach Gehör aufgeschrieben wurden, nimmt es auch nicht wunder, wenn dabei Erstaunliches herauskommt. Dem Namen unseres Ortes hat es dabei besonders übel mitgespielt: Mindestens 60 Versionen sind bis 1600 belegt, die hier mit den Jahren des Vorkommens wiedergegeben werden sollen.
Für den damaligen Gesamtort Winterhausen + Sommerhausen: Ahausen (1184 - 1543), Ahuosen (1357), Ahuse (700 - 1450), Ahusen (700 - 1450), Ahusin (1249), Ahussen (1330), Ehausen (986), Hahusen (1206 - 1314), Hasuisen (1142), Husun (742), Oehausen (1424), Ohausen (1215 - 1597), Ohuesen (1399), Ohusen (1302 - 1450).
Hier wird deutlich, daß der Ort aus zwei Teilen besteht: Ahusen et Ahusen (1290 - 1303), beyde  Ahusen (1324 - 1405), Hahusen et Hahusen (1268).
Und nun für Winterhausen allein: Ahusen sancti Nycolai (1297), Niclausahausen (1540) , Unterohausen (1424) Vinterahusen (1310), Winderhausen (1490), Winderhusan (1598), Winteohausen (1464), Winter Ahusen (1317 - 1413), Winter Ohawsen (1469), Winter-Ohusen (1376 - 1388), Winterahausen (1339 - 1543), Winterahawsen (1422 - 1470), Winterahuesen (1470), Winterahusen (1304, 1428),  Winterhausen (ab 1474), Winterhauß (1507), Winterhaußen (1559), Winterhausn (1510), Winterhawsn (1510), Winterhusan (1583-1736), Winterhuße (1509), Winterohausen (1482 - 1597), Winterohawsen (1450 - 1468), Winterohusen (1302 - 1450), Wintershausen (1530 - 1538), Winterßhaußen (1486), Wintershußen (1485), Wintershuzen (1489), Wintherahusein (1450), Wintherahusen (1327), Wintherohawsen (1479), Wintherohusen (1414), Wintrahusen (1350 - 1450), Wintrohausen (1485), Wintruhausen (1470), Wintterhausen (1498), Wintterhaussen (1504), Wintternhawssen (1396), Wintterohausen (1387), Wynterahawsen (1350 - 1450), Wynterahusen (1322 - 1372), Wynterhaußen (1508), Wyntherhawsenn (1517).
Obwohl  das alles ganz seriös ist, kann es aber auch gern als Beitrag zur fünften Jahreszeit angesehen werden, sozusagen als historisch-linguistisches Konfetti. Der Verein für Ortsgeschichte setzt einen Preis von 60 Eurogroschen aus für den ersten, der in der Lage ist, alle 60 Namen in der oben angegebenen Reihenfolge aus dem Gedächtnis korrekt aufzuschreiben.

 

März 2013
Vor 550 Jahren: Winterhausens Zentrum zieht um


Bis zum Jahre 1463 lag das Zentrum des Ortes am Main, und zwar außerhalb der Mauern. Die Mauritiuskirche ist heute noch zu sehen, auch das stufengiebelige Haus, das damals als erstes Winterhäuser Schulhaus diente. Wo heute das Gebäude des ehemaligen Gasthauses zum Löwen steht, befand sich damals der Pfarrhof. Neben der Kirche lag, wie auch andernorts üblich, der Friedhof. Leider wurde die ländliche Idylle immer wieder durch Hochwasser und Raubüberfälle gestört, sodaß man sich schließlich zum Umzug entschloß.
Es begann damit, daß am 8. März 1463 die wohl damals schon als Wehrkirche befestigte St.-Nikolaus-Kapelle zur Winterhäuser Pfarrkirche erhoben wurde. Dem gingen Verhandlungen zwischen dem Winterhäuser Pfarrer, dem Würzburger Domkapitel und dem Bischof voraus. Zum Pfarrhaus wurde das innerhalb der Mauern liegende Haus am Würzburger Tor bestimmt. Als neues Schulhaus wurde im Jahre 1510 das Kantorat erbaut. Mit dem 1558 errichteten alten Rathaus war das neue Ortszentrum vollständig. Lediglich der alte Friedhof am Main wurde noch eine Zeitlang genutzt, und die Kirchenglocken verblieben bis 1737 im Turm der Mauritiuskirche.
Was aber macht man mit einer nicht mehr benötigten Mauritiuskirche? Zunächst wird sie von der Gemeinde verwendet worden sein, bis sie im Jahre 1804 vom Bierbrauer Caspar Dauch zusammen mit dem alten Pfarrhaus für 650 Gulden ersteigert wurde. Dauch richtete in der Kirche eine Brauerei und im Pfarrhaus das Gasthaus "Zum Löwen" ein. Die Winterhäuser waren schon immer sehr praktisch veranlagt.

 

 

April 2013
Vor 250 Jahren: Amtmann und Bürger gegen Schultheiß und Bürgermeister

 


Am 30. April 1763 findet im Rathaus eine Versammlung der Winterhäuser Bürger statt, die sich alle mit Unterschrift dafür stark machen, daß der "schädliche" und "gefährliche" Schultheiß Georg Ludwig Steininger nicht offiziell in das Schultheißenamt eingesetzt wird. Am 25. Mai 1763 sprechen sich Bürgermeister, Viertelmeister und Rat der Gemeinde genau für das Gegenteil aus. Was ist los im Winterhausen des Jahres 1763?

Georg Ludwig Steininger, ein Schwager des Bürgermeisters Friedrich Billing, war eigentlich Amtsschreiber. Als der vorige Schultheiß starb, hatte er dessen Amt de facto übernommen. (Während die Bürger den Bürgermeister wählten, wurde der Schultheiß als dessen Vorgesetzter von der Herrschaft eingesetzt und war dem Sommerhäuser Amtmann unterstellt.) Die Herrschaft hatte sich, da es mehrere Mitregenten gab, im konkreten Falle noch nicht auf Steininger festlegen können.

Der streitbare Amtmann Georg Ludwig Briel erregt sich nun darüber, daß sich Steininger seinen Weisungen nicht fügt und alle ihm obliegenden Entscheidungen selbst trifft, wohl im Einvernehmen mit seinem Schwager, dem Bürgermeister. Steininger geht dabei wohl auch recht parteiisch vor, was die Bürger gegen ihn aufbringt. Amtmann Briel untersagt ihm die Amtsführung als Schultheiß, dringt in sein Haus ein und beschlagnahmt die Akten. Dagegen klagt nun Steininger. Umfangreiche Memoranden, Rechtfertigungsschriften und Gutachten der juristischen Fakultäten in Jena und Würzburg füllen die Akten. Steininger bleibt jedenfalls bis 1785 Schultheiß in Winterhausen.

 

 

Mai 2013
Vor 475 Jahren: Wie ein Schinken seinen Dieb erhängt

 

Eine besondere Beziehung zu Winter- und Sommerhausen hatte der Nürnberger Schuhmacher und Poet Hans Sachs. Gleich mehrere Schwänke siedelte er in den beiden Orten an. Am 31. Mai 1538 veröffentlichte er den Schwank "Der hecker mit dem bachendieb" (Der Häcker mit dem Schinkendieb) mit 60 Versen, der wie folgt beginnt:
Einsmals ein armer hecker was / In Franckenland, derselbig saß
In einem dorff, heisset Wintershausen,  / Nit weit von der statt Würtzburg daussen, ...
Der Schwank erzählt, wie ein armer Häcker nachts bei seinem mißgünstigen, reichen Nachbarn einen Schinken stehlen will, der unterm Dach hängt. Der Dieb steigt aufs Dach und versucht, sich durch eine Luke mit Seil und  Haken den Schinken zu angeln. Damit ihm das Seil nicht entgleitet, schlingt er es sich um den Hals. Es gelingt ihm zwar, den Schinken mit dem Haken anzuheben, doch dessen Gewicht reißt den Dieb durch die Luke, und das Seil wird von einem Balken aufgehalten. So hängt nun auf der einen Seite des Balkens der Schinken und auf der anderen der Dieb, der zappelnd sein Leben aushaucht. Am Morgen entdeckt ihn der Hausherr und verkündet den Winterhäusern, daß der Schinken wunderbarerweise seinen Dieb erhängt habe.
Als Moral der makabren Geschichte gibt Sachs den reichen Leuten den Ratschlag, ihre armen Nachbarn gut zu behandeln und schließt:
Als-denn wird er in allem Stück / behüt vor schadn alls ungemachs
Seinr armen nachbarn, spricht Hans Sachs.

Juni 2013
Vor 700 Jahren: Das Kloster Heilsbronn und Winterhausen

 

Am 11. Juni 1313 nimmt Kaiser Heinrich VII. das Kloster Heilsbronn bei Ansbach in seinen besonderen Schutz und bestätigt alle von seinen Vorgängern erteilten Privilegien, Rechte und Schenkungen. Darunter wird ausdrücklich auch der Hof des Klosters in Ahusen  (= Winterhausen + Sommerhausen) genannt.

Die Geschichte der Besitzungen des Klosters Heilsbronn in Ahusen geht bis in das 12. Jahrhundert zurück. Von 1141 bis 1249 bestätigten vier Päpste die Rechte des Klosters Heilsbronn in Ahusen. Das Kloster besaß nicht nur Zehnte, Weingülte und Zinsen im Ort, sondern seit spätestens 1257 auch einen eigenen, sebstbewirtschafteten Hof mit Weinbergen und Äckern. Der Hof lag auf Sommerhäuser Seite direkt am Main. Aber auch auf Winterhäuser Seite erwarb das Kloster ein Haus nebst Scheune und Kelter.  Der ständig in Ahusen residierende Heilsbronner Mönch verfügte sogar über eine eigene Kapelle und verwaltete die umliegenden Besitzungen als "Officium Ahusen". Durch Schenkungen wurde der Heilsbronner Besitz im Ort bis Anfang des 16. Jahrhunderts ständig erweitert.

In der Zeit der Bauernunruhen 1525 verweigerten die Bauern die Abgaben an das Kloster. Sogar der Limpurger Landesherr wies seine Untertanen an, "den München oder Pfaffen nichts abzureichen", was jene auch bereitwilligst befolgten. Wegen der schon länger anhaltenden Zwistigkeiten mit dem Limpurger Grafen verkaufte ihm schließlich im Jahre 1533 das Kloster Heilsbronn alle seine Rechte und Besitzungen in Winterhausen, Sommerhausen und Lindelbach samt der Kapelle für 500 Gulden . Damit endete die 400jährige, enge Verbindung von Winterhausen mit dem Kloster Heilsbronn.

 

 

Juli 2013
Vor 225 Jahren: Der unrühmliche Abgang eines Winterhäuser Pfarrers

 

Im Jahre 1788 wird Andreas Christoph Heinrich Weiß als Pfarrer in Winterhausen eingesetzt. Damit endet für die Gemeinde eine sehr unruhige Zeit, die mit dem Namen des vorherigen Pfarrers Philipp Christian Gottlieb Yelin verbunden ist. Dieser trat 1767 im Alter von 22 Jahren die Nachfolge seines Vaters Johann Hieronymus Yelin im Winterhäuser Pfarramt an. Auch der Vater hatte schon als unruhiger und streitbarer Geist von sich reden gemacht, aber das ist eine eigene Geschichte.

Zwei Jahre nach Amtsantritt heiratet Yelin jun. die Tochter des Amtsmannes  Briel aus Sommerhausen. Die Verbindung erweist sich als unglücklich, 1784 wird das Ehepaar von Tisch und Bett geschieden. Sie soll sehr verwöhnt gewesen sein und ihren Mann in Schulden gestürzt haben, u. a. indem sie ihre liederlichen Brüder freihielt. Die geschiedene Ehefrau zieht in die Ratsschreiberwohnung und stirbt noch im gleichen Jahr. Bereits 1785 heiratet Yelin erneut, diesmal eine Pfarrerstochter aus Breitenau.

Vierzehn Tage nach der zweiten Eheschließung wird Yelin auf Betreiben des Grafen vom Amt suspendiert und aus dem Pfarrhaus vertrieben. Es werden ihm offiziell Pflichtverletzungen und sittliche Verfehlungen vorgeworfen, u. a. die Schwängerung zweier Dienstmägde. Die Gemeinde Winterhausen stellt ihm aber ein glänzendes Zeugnis für seine Amtsführung aus und fleht den Landesherren an, ihr diesen ausgezeichneten Kanzelredner, Seelsorger, Jugendlehrer und Krankentröster zu erhalten.

Nach seinen vergeblichen Versuchen, die Wiedereinsetzung zu erreichen, wird  Yelin 1794 auch förmlich als Pfarrer abgesetzt, 1803 aus dem geistlichen Stand entfernt und des Limpurgischen Landes verwiesen. Ihm wird die Autorenschaft der 1806 erschienenen, gegen die napoleonische Fremdherrschaft gerichteten Flugschrift "Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung" zugeschrieben, für die der Herausgeber Palm auf Napoleons Befehl hingerichtet wurde.

 

August 2013
Vor 200 Jahren: Einquartierungen: Franzosen, Italiener, Russen, ...

 

Nachdem die napoleonischen Truppen im Winter 1812/13 in Rußland eine katastrophale Niederlage erlitten hatten, sammelten sie sich im Frühjahr 1813 mit ihren verbliebenen Verbündeten erneut im süddeutschen Raum. Mag die Lage von Winterhausen ansonsten noch so wunderschön sein, in Kriegszeiten ist sie als das reinste Truppen-Drehkreuz doch recht ungünstig.

Vom März bis Oktober 1813 waren in Winterhausen württembergische, französische, italienische, österreichische, badische, hessische und natürlich auch bayerische Truppen einquartiert, insgesamt 5949 Mann. Fast sämtliche Handwerker der Gemeinde wie Sattler, Schneider, Schuster und Schmiede wurden für das Militär in Anspruch genommen. Zweimal hat man je 22 arbeitsfähige Männer  auf die Würzburger Festung zum Schanzen angefordert. Weil das niemand freiwillig tun wollte, wurde unter den 37 jüngsten Winterhäuser Männern gelost.

Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 kamen die siegreichen Russen. Nicht weniger als 4206 russische Kavalleristen mit 3037 Pferden waren 40 Tage lang einquartiert und benötigten neben dem Üblichen besonders viel Branntwein. Die Quartierkosten betrugen 7721 Gulden, die Gemeinde  mußte 3700 Gulden Schulden aufnehmen. Interessant am Rande: Frau Henningers guten Dienste als Dolmetscherin bei den Russen wurden mit 2 Gulden entlohnt. Leider ist nicht überliefert, woher Frau Henninger ihre Russischkenntnisse hatte ...

 

September 2013
Vor 400 Jahren: Davongelaufene Frau und abgehauene Bäume

 

Auszug aus dem Bußregister des Winterhäuser Rüggerichtes von 1613:

  • Jorg Götz büßt 15 Pfund, weil er den Knecht des oberen Bäckers blutig- und ihm die Nase entzweigeschlagen hat.
  • Der Schuster Caspar Kern büßt 10 Pfund, weil er ohne Erlaubnis einen Tüncher mit Weib und Kind eine Zeitlang beherbergt hat.
  • Die ehemaligen Heckenwirte Caspar Kern, Hans Cülling, Hans Neuber und Wendel Blindt büßen ein jeder 28 Pfund, weil sie die Bürger bis über die Weinglockenzeit sitzen und zechen ließen.
  • Claus Schneider d. J. büßt 11 Pfund, weil er an einem Sonntag mit einem Prügel etliche Male bis um Mitternacht vor Ulrich Fesselmanns Haus gelaufen ist und ihn aufgefordert hat, ihm sein Weib herauszugeben.
  • Die Erben von Bernhart Netters Witwe büßen 7,5 Pfund, weil letztere noch zu Lebzeiten etliche ihrer grünen Weichsel- und Amarellenbäume entgegen der Ordnung abhauen ließ.
  • Kilian Heyn büßt 3 Pfund, weil er ohne Erlaubnis beim offenen Gericht nicht anwesend war.

 

Oktober 2013
Vor 175 Jahren: Die Ablösung der Winterhäuser Fronpflichten

 

Im Jahre 1838 legte eine bayerische Steuerkommission den Wert der Winterhäuser Fronen auf 143 Gulden fest. Das war ein entscheidender Schritt im Kampf der Winterhäuser um die Abschaffung ihrer Fronpflichten.

Bereits 1825 hatte der Bayerische Landtag ein Gesetz verabschiedet , nach dem die verschiedenen Grundlasten und Fronen (Handfron, Spannfron, Jagdfron, Botenfron, Baufron, Weingülteinsammeln, Feuerholzmachen, Felderdüngen usw.) durch Geldzahlungen abgelöst werden konnten. Das lag ganz im Interesse der Winterhäuser, aber der Graf war nicht zu Verhandlungen bereit. Im November 1827 verweigerten daher die Einwohner das Einsammeln der Weingült, und im Mai 1828 lehnten sie es ab, einen Fronboten zu stellen. Das Oberappellationsgericht in München entschied 1829, daß der Graf von Rechteren das Recht zu derartigen Forderungen nachweisen muß. Ein Würzburger Gericht entschied im Juni 1832, daß der Graf in der Tat die Botenfron fordern kann. Im August 1833 bot die Gemeinde dem Grafen an, alle Fronen durch 216 Gulden abzulösen. Der Graf lehnte ab, worauf die oben erwähnte Steuerkommission den Wert der Fronen sogar auf nur 143 Gulden festsetzte.

In der Folgezeit gab es immer wieder Probleme mit der Fron, die 1847 zu einem neuen Gerichtsprozeß führten. Dieser wurde aber durch die Ereignisse von 1848/49 überholt. Die Winterhäuser Bürger stellten auf einer Versammlung eine Liste von Forderungen auf. Schneider Vial, der damals führende Winterhäuser Revolutionär, präsentierte diese dem Grafen Friedrich Ludwig von Rechteren-Limpurg. Dem Ortspolizisten, der den Aufruhr stoppen sollte, wurde das Schwert entrissen und zerbrochen vor die Füße geworfen. Da nun der Graf den Autoritätsverfall sah, gab er nach und sicherte den Winterhäusern alles zu, was er in zwanzig Jahren zu verhindern versucht hatte.

 

November 2013
Vor 225 Jahren: Bitterer Hunger in Winterhausen

 

Im Verlaufe der kleinen Eiszeit (15. bis Anfang 19. Jahrhundert) gab es ab 1783 einige besonders kalte Jahre mit Mißernten, die zu einer schwierigen Ernährungssituation in Westeuropa führten. Winterhausen und Sommerhausen waren in besonderer Weise davon betroffen, da sie aufgrund des vorherrschenden Weinanbaus auch in guten Jahren wohl kaum selbst genug Eßbares anbauten und auf Zukauf angewiesen waren. Die Lage spitzte sich im Jahre 1788 zu.

In einem Brief aus Einersheim vom 27. November 1788 wendet sich Friedrich Reinhard Burkhard Adolf von Rechteren-Limpurg-Speckfeld an seinen Vetter Graf Johann Karl Ludwig von Löwenstein-Wertheim und beschreibt die Situation. Die Orte Sommerhausen und Winterhausen seien "in einer so üblen und traurigen Lage" und müßten "bitteren Hunger leiden". In den umliegenden Gemeinden könnten die Orte nichts Eßbares kaufen. Selbst in Würzburg, wo noch jede Woche Markt gehalten werde mit gutem Angebot, verkaufe man den limpurgischen Orten nichts. Könne der Herr Vetter nicht Sorge dafür tragen, daß der ihm gehörige Ort Gollhofen etwas an die beiden Orte verkaufe. Bis zur nächsten Ernte benötige man 800 Malter Korn (etwa 1600 Zentner), und Gollhofen ernte wohl mindestens 4000 Malter.

Der mit "Euer Liebden" angeredete Vetter in Wertheim antwortet bereits drei Tage später und stellt seine Unterstützung in Aussicht. Allerdings müsse man noch seinen Onkel Friedrich Ludwig von Löwenstein-Wertheim fragen, der in Gollhofen mitregiere. Ob es zu dem Kornverkauf wirklich gekommen ist, kann den alten Akten nicht entnommen werden.

 

Dezember 2013
Vor 300, 400, 500, ... Jahren: Die Wilde Jagd in Winterhausen

 

Diese Geschichte aus einem alten Sagenbuch paßt so recht in die dunkle Jahreszeit.

"Der Fährmann zu Winterhausen in Unterfranken lag einst ruhig in seinem Bette und schlief, als er plötzlich durch einen ungeheueren Lärm, vom jenseitigen Ufer her, geweckt wurde. Viele hundert Stimmen schrien: "Hol! Hol!" Er machte sich auf, löste sein größtes Fahrzeug ab und stieß vom Ufer. Noch während des Fahrens vernahm er wildes Stimmengewirr und Rossewiehern von jenseits; es wurde auch auf Hörnern geblasen und Hunde bellten.

Als er jedoch drüben anlangte, sah er niemanden und vernahm nur aus dem Schalle der Fußtritte, daß sich eine Masse Menschen und Rosse in die Fähre drängte. Diese sank immer tiefer, bis ihr Bord mit dem Wasser gleichen Schrittes stand. Da befahl er sein Leben in Gottes Hand und gelangte glücklich ans andere Ufer, während die Gesellschaft unbekümmert redete und lärmte; der Fährmann verstand aber kein Wort davon. Erst beim Landen fragte eine rauhe Stimme aus dem Haufen, was sie schuldig seien. "Nichts!" war die Antwort. "Du hast klug gesprochen, Fährmann! Deinen Lohn wirst Du darum doch erhalten. Hättest Du ihn aber gefordert, Dir wäre es schlimm ergangen." Damit ging das Getöse wieder los: Peitschenknall, Jagdruf, Hundebellen und Rossewiehern wild durcheinander, aber im Nu verhallt und verschwunden. Als er am anderen Morgen erwachte, hing ein Pferdeschinken am Bettstollen."

Na dann guten Appetit! - Die "Wilde Jagd" ist ein uraltes Sagenmotiv, dessen Ursprung bis in die Zeit des germanischen Heidentums zurückgeht. Die Erscheinung wird meistens in den Rauhnächten zwischen Weihnachten und Dreikönige angesiedelt