Januar 2019
Aus dem Archiv erzählt
Die Schulchronik des Hauptlehrers Wilhelm Kiefer


Im Oktober 1953 kam der Hauptlehrer Wilhelm Kiefer (1905-1990) als Schulleiter nach Winterhausen. Viele ältere Mitbürger werden ihn noch kennen. Über viele Jahre führte er eine interessante Schulchronik. Hier ein Auszug aus dem Jahr 1958.
•    Die Gemeinde beschließt den Bau der vier Lehrerhäuser mit einer Bausumme von 140000 Mark. Dafür wird die Grundsteuer erhöht. Die Lehrerschaft ist nicht durchgängig begeistert, was den Bau verzögert.
•    Ein anderes großes Projekt ist der Bau der Straße nach Heidingsfeld bis zum Haltepunkt Rottenbauer.
•    Bei einem großangelegten Manöver der amerikanischen Truppen rollen im Februar Panzer durch Winterhausen. Es wird eine Pontonbrücke über den Main errichtet, wobei die ganze Schule zusieht.
•    Die Abendmahlgruppe der Nikolauskirche kommt nach einer Renovierung zurück.
•    Zum Tag des Baumes am 4. Mai pflanzen Schüler Linden in der Nähe der Mainlände.
•    Die Gemeindebücherei wird neu eingerichtet.
•    Die vierte Klasse fährt im Juni für fünf Tage in eine Jugendherberge in der Rhön.
•    Die Freiwillige Feuerwehr veranstaltet zum 80. Stiftungsfest eine Fahnenweihe.
•    Pfarrer Johann Matthäus Seitz wechselt nach 30jährigem Dienst in Winterhausen im September als Dekan nach Thalmässing. Die Familie verläßt unter Glockengeläut den Ort.
•    Das neue Schuljahr beginnt mit 36 Schülern in der ersten, 44 in der zweiten, 42 in der dritten und 28 in der vierten Klasse.
•    Den Festzug zur Kirchweih führt die Schule an, wofür die Kinder im Schützenhaus Wurst, Brötchen und Limonade erhalten.
•    Die Schulkinder unternehmen im September mit ihren Eltern eine Dampferfahrt von Winterhausen nach Karlstadt.
•    Es werden erstmals Tonfilme in der Schule verwendet.
•    An den Landtagswahlen im November nehmen 64,8% der Wahlberechtigten teil. Die SPD erhält im Ort 57,1% und die CSU 17,7%.
•    Im November wird der neue Pfarrer Erwin Trautner in sein Amt eingeführt
•    Die Schulkinder sammeln Gaben für Weihnachtspakete, die in die DDR geschickt werden. 

DKW

Februar 2019
Aus dem Archiv erzählt
Winterhäuser in Sommerhausen ermordet!


Michael Dauch wurde in Heidingsfeld geboren, lebte aber später in Winterhausen. Während des Dreißigjährigen Krieges hatte er als Fähnrich der kaiserlichen Kavallerie gedient. Krieg und Erbschaft machten ihn zum wohlhabenden Mann, und so konnte er nach seiner Rückkehr dem Rottenbauerer Junker Jakob Ernst von Wolffskeel 300 Gulden leihen. Dieser dachte aber gar nicht an eine Rückzahlung der Schuld und drohte seinem mahnenden Gläubiger in Rottenbauer sogar, ihn die Treppe hinabzuwerfen. Spätestens hier begann eine verbitterte Feindschaft zwischen Junker und Kriegsmann.
Am 5. September 1648 ging Dauch mit seiner Frau Catharina nach Ochsenfurt, um Wein zu verkaufen. Auf dem Rückweg traf er in Sommerhausen Jacob Ernst von Wolffskeel, der von einem Besuch bei Schenk Georg Friedrich kam. Wolffskeel behauptete später, Dauch habe den Hut tief in die Stirn gezogen und „gehöhnlächelt“. Das brachte den 24jährigen in Rage. Er bedrohte seinen unbewaffneten Gläubiger mit einer Pistole, die er wohl nur deshalb nicht gleich auf ihn abfeuerte, weil er sich in einem limpurgischen Ort befand. Als Dauch ihn aufforderte, sich vor dem Tor von Sommerhausen mit ihm zu duellieren, lehnte das Wolffskeel mit höhnischen Worten ab und steckt die Pistole wieder ins Halfter. Jetzt sprang Dauch vor, fiel dem Junker in die Zügel und entriß ihm die Pistole. Um Schlimmeres zu verhindern, entwandt ihm ein anwesender limpurgischer Diener die Waffe. Darauf zog Wolffskeel eine weitere Pistole und schoß Dauch nieder, worauf dieser sofort seinen Geist aufgab.
Wolffskeel versuchte zu fliehen, wurde aber gefangengenommen und sollte nachts unter Begleitung von 40 Musketieren nach dem Schloß Speckfeld gebracht werden. Bei Marktsteft gelang ihm die Flucht. Die Umstände lassen vermuten, daß dies ein abgekartetes Spiel des Schenken war, der verhindern wollte, daß Wolffskeel an das von ihm nicht akzeptierte Domkapitelsche Centgericht in Ochsenfurt ausgeliefert wurde. In Abwesenheit des Angeklagten begann nun in Ochsenfurt der Prozeß. Jacob Ernst von Wolffskeel einigte sich mit Michael Dauchs Witwe Catharina auf eine Entschädigung und wurde vom Gericht außerdem zu einer Strafe von 1000 Talern verurteilt, die aber auf 200 Taler heruntergehandelt wurden.
Michael Dauch wurde in Sommerhausen bestattet, wozu der Pfarrer in das Kirchenbuch schrieb: „ist allhier von einem Edelmann von Rottenbauer mörderischer Weise angeschossen und nachgehend christlich bestattet worden“. Wolffskeel trat erst einmal in niederländischen Kriegsdienst ein und verschwand so von der Bildfläche. Später sollte er noch viel Ärger in Winterhausen verursachen.                                    DKW